Antworten auf wichtige Fragen zur geplanten Übernahme von Chemtura.

Was sind die Gründe für die Übernahme?

Mit der geplanten Übernahme von Chemtura wird LANXESS zu einem international führenden Anbieter für Additive. Die beiden Unternehmen ergänzen sich optimal – sowohl hinsichtlich ihrer Produktportfolios als auch mit Blick auf ihre regionalen Aufstellung. Für das zusammengeschlossene Unternehmen  erwartet LANXESS Verbesserungen bei Umsatz und Ergebnis. Auch unter strategischen Gesichtspunkten ist die Übernahme sinnvoll: So kann LANXESS sich nun wie geplant auf mittelgroße Märkte fokussieren und noch stärker am Wachstum der Region Nordamerika teilhaben. Auch eine weitere Diversifizierung der Kundenindustrien wird mit der Übernahme möglich – und die Entwicklung hin zu einem noch stabileren, effizienteren und profitableren Unternehmen.

Wie ergänzen sich die Geschäfte von Chemtura und LANXESS?

Mit der geplanten Übernahme von Chemtura wird LANXESS sein profitables Portfolio an Spezialchemikalien ausbauen, denn die Produktangebote von Chemtura und des LANXESS-Geschäftsbereichs Rhein Chemie Additives (ADD) ergänzen sich perfekt. So produziert ADD phosphorbasierte Flammschutzmittel, während Chemtura brombasierte Flammschutzmittel anbietet. Als zusammengeschlossenes Unternehmen wird LANXESS an Innovationskraft gewinnen und noch besser als bisher in der Lage sein, seinen Kunden Lösungen anzubieten, die ihre Anforderungen an Flammschutzmittel umfassend bedienen. Gleiches gilt für das Angebot an Schmierstoffen und Schmierstoffadditiven. Gleichzeitig kann sich Rhein Chemie Additives für sein Know-how im Bereich Packages neue Kundengruppen erschließen. So gesehen werden LANXESS und Chemtura mit ihren Aktivitäten nach vollzogener Integration die gesamte Wertschöpfungskette der Schmierstoffindustrie abdecken. Für die Kunden bedeutet dies ein noch besseres Angebot an Produkten und Services.

Aber auch über den Additivbereich hinaus ist die Transaktion strategisch sinnvoll: So wird LANXESS durch die geplante Übernahme in zwei neue Bereiche vorstoßen – Urethane und Organometalle. Beide Geschäftsbereiche sind in ihren jeweiligen Segmenten gut positioniert und entsprechen der strategischen Zielsetzung von LANXESS, ein starker Anbieter in mittelgroßen Märkten zu werden. Zum Bereich Urethane gehören Heißgieß-Prepolymere, Polyurethan-Dispersionen und Urethane Surface Coatings sowie Polyester-Polyole. Sie werden bei der Herstellung von Produkten mit anspruchsvollen Anwendungen, wie die Bau-, Bergbau-, Öl-/Gas-, Sport- und Elektronikindustrie, eingesetzt. Organometalle sind chemische Verbindungen, die unter anderem in der Polymer-Produktion oder zur Synthese von Feinchemikalien und Pharmazeutika verwendet werden.

Welches Volumen hat die Transaktion und wie wird sie finanziert?

Die Transaktion hat einen Unternehmenswert von rund 2,4 Milliarden Euro. Zur Sicherstellung der Finanzierung der geplanten Übernahme hat LANXESS insgesamt drei Anleihen erfolgreich im europäischen Kapitalmarkt platziert.

Am 29. September 2016 wurden zunächst zwei Euro-Benchmarkanleihen mit einem Volumen von jeweils 500 Millionen Euro sowie einer Laufzeit von 5 bzw. 10 Jahren und einem Zinskupon von 0,25 Prozent bzw. 1,0 Prozent begeben. Beide Euroanleihen sind an der Luxemburger Wertpapierbörse gelistet und notieren mit einer Stückelung von 1.000 Euro nominal.

Am 29. November 2016 hat LANXESS dann die erste Hybridanleihe in der Unternehmensgeschichte mit einem Volumen von 500 Millionen Euro erfolgreich platziert. Die Hybridanleihe hat eine Laufzeit von 60 Jahren und einen Zinskupon von 4,5 Prozent. Sie wird ebenfalls an der Luxemburger Wertpapierbörse mit einer nominalen Stückelung von 1.000 Euro gelistet. Die erste reguläre Rückzahlungsoption kann LANXESS im Juni 2023 ausüben. Die Hybridanleihe ist nachrangig gegenüber anderen Finanzverbindlichkeiten von LANXESS und hat damit teilweise Eigenkapitalcharakter. Sie ist somit ein wesentlicher Baustein, um das vorrangige Ziel der Finanzierung – die Beibehaltung des Investment-Grade-Status – zu sichern.

Wie hoch ist das Angebot an die Chemtura-Aktionäre für den Verkauf Ihrer Aktien?

Die Akquisitionsvereinbarung sieht vor, dass die Chemtura-Aktionäre 33,50 US-Dollar je ausstehender Aktie in bar erhalten. Das entspricht einer Prämie von 18,9 Prozent gemessen am Schlusskurs des 23. September 2016 von 28,18 US-Dollar.

Wie hoch dürften die Synergieeffekte ausfallen?

LANXESS geht davon aus, dass der Konzern bis 2020 Synergieeffekte von etwa 100 Mio. EUR erzielen wird, davon bereits 25 Mio. EUR im Jahr 2017.

Wie hoch wird die Nettoverschuldung von LANXESS nach der Transaktion sein?

Die Nettoverschuldung wird sich um den Kaufpreis und um bestimmte Einmalkosten erhöhen. Klares Ziel von LANXESS ist es dann, die Nettoverschuldung wieder zu reduzieren – auch dank der starken Ertragskraft des akquirierten Geschäftes.

Wie sieht der Zeitplan bis zum Vollzug aus?

Damit die geplante Übernahme wirksam werden kann, ist die Zustimmung der Chemtura-Aktionäre erforderlich. Diese werden im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung, die  für den 1. Februar 2017 einberufen wurde, über den Zusammenschluss abstimmen. Daneben sind die Zustimmungen der relevanten Wettbewerbsbehörden und einige regulatorische Freigaben zur Durchführung der Transaktion notwendig. LANXESS geht davon aus, dass alle erforderlichen Genehmigungen bis Mitte 2017 vorliegen werden.

Werden die Marken von Chemtura weitergeführt oder ausschließlich die Marke LANXESS verwendet?

Prinzipiell will der Konzern LANXESS als Unternehmensnamen etablieren und seine Markenarchitektur anwenden. Es ist jedoch vorgesehen, dass LANXESS einige starke Produktmarken aus dem Chemtura-Portfolio fortführen wird. Hierzu zählt u.a. die Marke Anderol, die für hochwertige Schmierstofflösungen in industriellen Anwendungen steht.

Wie viele Mitarbeiter gehen zu LANXESS über und in welchen Funktionen?

Es werden rund 2.500 Mitarbeiter von Chemtura zu LANXESS gehören. Von diesen 2.500 Mitarbeitern sind etwa 1.700 in der Produktion und ca. 800 in anderen Bereichen beschäftigt, z.B. in der Verwaltung oder in Marketing und Vertrieb.

Wird es im Zuge der Integration zu einem Stellenabbau oder Standortschließungen kommen?

Grundsätzlich steht die Akquisition im Zeichen einer Wachstumsstrategie. Um die bestmögliche Aufstellung für die kombinierten Geschäfte zu finden, analysieren wir die bestehenden Strukturen derzeit sehr genau.

Wie lange wird die Integration voraussichtlich dauern?

LANXESS geht von einem Integrationsprozess von rund zwei Jahren aus. Allerdings will der Konzern die Maßnahmen mehrheitlich im ersten Jahr nach dem Vollzug der Transaktion umsetzen.

Wird sich die Transaktion auf die Struktur der LANXESS-Berichtssegmente auswirken?

Nach dem Zusammenschluss wird LANXESS vier berichtspflichtige Segmente haben (zzgl. ARLANXEO). Mit der geplanten Übernahme von Chemtura wird ein neues Segment entstehen, in dem die Additivgeschäfte der beiden Unternehmen zusammengefasst werden.

Das Urethan-Geschäft von Chemtura wird das derzeitige Segment „High Performance Materials“ nach dem Vollzug der Transaktion als separate Business Unit stärken. OMS (Organometalle) wird als separate Business Line künftig in der Business Unit Advanced Industrial Intermediates (BU AII) geführt.

Gibt es jetzt noch Spielraum für weitere M&A-Aktivitäten bei LANXESS?

In der nächsten Zeit wird sich LANXESS auf die Integration von Chemtura und auf den schnellen Abbau der Nettoverschuldung konzentrieren.

Wird diese Transaktion zu Lasten des angestrebten organischen Wachstums von bis zu 400 Mio. Euro bei LANXESS gehen?

LANXESS setzt nach wie vor auch auf organisches Wachstum und wird diesen Kurs auch im Jahr 2017 weiterverfolgen.